Nachhaltiger leben, Klima und Umwelt schützen, Ressourcen schonen: Damit die Industrie in Deutschland bis 2045 klimaneutral und nachhaltig produziert, muss die industrielle Bioökonomie in Deutschland weiter voranschreiten. Ein Umsteigen auf nichtfossile Rohstoffe ist auch notwendig, weil die heute überwiegend eingesetzten Energieträger, wie Öl, Gas, Kohle, nur in begrenztem Maß und nicht in Deutschland vorhanden sind und irgendwann ausgeschöpft sein werden. Darüber hinaus birgt die industrielle Bioökonomie weitere Vorteile:
- weniger CO2, Wasser oder Energie in Verfahren und Prozessen,
- weniger Treibhausgase,
- weniger Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen wie Erdöl, Kohle und Gas.
Gleichzeitig leistet die industrielle Bioökonomie einen wichtigen Beitrag für eine wettbewerbsfähige Industrie und für die Attraktivität des Industriestandortes Deutschland. Ersetzt die Industrie fossile durch biobasierte Rohstoffe, so verspricht dies innovative Herstellungsverfahren, neue Produkte und Wachstumschancen für fast alle Branchen.
In Deutschland hatte die Bioökonomie in 2020 einen Anteil von mindestens sieben Prozent an der Gesamtbeschäftigung. Statistisch gesehen sind 2,7-2,9 Millionen Beschäftigte in Deutschland im Bereich der Bioökonomie tätig. Zudem umfasste die Bioökonomie in 2020 rund fünf Prozent der gesamten Wertschöpfungskette in Deutschland, dies sind circa 134-150 Milliarden Euro. (Quelle: Monitoring der deutschen Bioökonomie vom 03.12.24).
Die Europäische Kommission hat die Bioökonomie als Schlüsselsektor zur Erreichung der Nachhaltigkeits- und Klimaziele der Europäischen Union (EU) identifiziert. Sie ist integraler Bestandteil des EU- Green- Deal. Die Bioökonomie in der EU leistet einen starken Beitrag zur Gesamtwirtschaft mit über 16 Millionen Beschäftigte und erwirtschaftet in allen 27 Mitgliedstaaten einen Umsatz von über 2,3 Milliarden Euro im Jahr 2021 (Quelle: European Bioeconomy in Figures 2008-2021 vom 16.09.24).
Gemeinsam auf Erfolgskurs: Die Dialogplattform Industrielle Bioökonomie
Um den industriellen Wandel voranzutreiben, hat das Bundeswirtschaftsministerium 2018 die Dialogplattform „Industrielle Bioökonomie“ gegründet.
Die Dialogplattform „Industrielle Bioökonomie“ des Bundeswirtschaftsministerium ist ein unabhängiges Expertennetzwerk, das Empfehlungen und Maßnahmen für politikrelevante Themen und Fragestellungen zur industriellen Bioökonomie erarbeitet. Die Zugehörigkeit zu diesem Netzwerk ist nicht an eine ständige aktive Mitarbeit gekoppelt. Vielmehr können sich die Mitglieder der Dialogplattform entsprechend Expertise und Verfügbarkeit in die Bearbeitung spezifischer Themen einbringen, durch Beiträge an Abstimmungsprozessen mitwirken oder Themen vorschlagen, die zukünftig von der Dialogplattform aufgegriffen werden könnten.
Das nachstehende Schaubild gibt einen Überblick zur Struktur und Arbeitsweise der Dialogplattform, die 2024 neu ausgerichtet wurde.
Zusammenspiel von Dialogplattform, jährlichem Symposium und BMWE bei der Umsetzung der industriellen Bioökonomie
© BMWE
Die Dialogplattform „Industrielle Bioökonomie“ arbeitet an Lösungen zur schnellen industriellen Umsetzung der Bioökonomie. Einmal im Jahr findet in Berlin eine Veranstaltung statt, in der die Mitgliedstaaten der Dialogplattform zusammen mit dem Bundeswirtschaftsministerium über bereits erzielte Ergebnisse und deren Umsetzung sprechen. Die Veranstaltung findet in Form eines Symposiums statt.
Die Dialogplattform beschließt auf dem Symposium die Bearbeitung neuer Themen. Die Bearbeitung der Themen erfolgt in Arbeitsgruppen. In den unterschiedlichen Arbeitsgruppen können sich interessierte und fachkundige Mitglieder der Dialogplattform einbringen. Die Arbeitsgruppe erarbeitet themenspezifische Produkte, zum Beispiel Handlungsempfehlungen oder Positionspapiere. Nach der Finalisierung durch die Arbeitsgruppe stimmen die Teilnehmenden diese Produkte durch die Dialogplattform abgestimmt: Findet das Produkt der Arbeitsgruppe Zustimmung bei den anderen Mitgliedern der Dialogplattform, dann wird das Produkt der Arbeitsgruppe zu einem Produkt der Dialogplattform. Das Produkt der Dialogplattform wird im nächsten Schritt mit Vertreterinnen und Vertretern des Bundeswirtschaftsministeriums und der thematischen Arbeitsgruppe besprochen. Das Bundeswirtschaftsministerium gibt der Arbeitsgruppe eine Rückmeldung zum Produkt, was mitunter zu einer Anpassung oder Überarbeitung des Produktes führen kann.
Ein wichtiges Produkt der Dialogplattform sind beispielweise Handlungsempfehlungen. Nach Diskussion mit Vertretenden der Arbeitsgruppen prüft das Bundeswirtschaftsministerium deren Umsetzung und Priorisierung. Ergebnisse dieser Prüfung sollen jährlich auf dem Symposium vorgestellt werde. Auf dem Symposium werden dann auch wieder neue Themen festgelegt, die nach dem Symposium in neuen Arbeitsgruppen bearbeitet werden.
Wenn Sie Interesse haben, das Thema industrielle Bioökonomie aktiv mitzugestalten, dann werden Sie Mitglied der Dialogplattform „Industrielle Bioökonomie“. Hierzu müssen Sie lediglich Ihr Interesse bekunden.
Aktuell erarbeiten die Arbeitsgruppen der Dialogplattform Positionspapiere zu diversen Themen. Die abgestimmten und publizierten Positionspapiere können Sie hier einsehen. Im September 2023 hat die Dialogplattform ein Positionspapier „Leitmarkt Bioökonomie“ formuliert. Dieses repräsentiert nicht notwendigerweise die Meinung des Bundeswirtschaftsministeriums oder des Herausgebers. Das Positionspapier der Dialogplattform Industrielle Bioökonomie steht Ihnen auf Deutsch oder Englisch bereit. Außerdem übergab die Dialogplattform dem Bundeswirtschaftsministerium im Juli 2025 deren Stellungnahme im Konsultationsverfahren der EU-Kommission zur zukünftigen EU-Bioökonomiestrategie in Analyse und Bewertung des Konsultationsfragebogens der EU-Kommission zur Überarbeitung der Bioökonomiestrategie 2025 und Platform Industrial Bioeconomy Input for EU Bioeconomy strategy.
Das Bundeswirtschaftsministerium beauftragte das Institut für Innovation und Technik (IIT) in der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH und das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) mit einer Marktstudie zur Begutachtung des Wagniskapitalbedarfs von Start-ups in den folgenden Zielbereichen bis 2030.
Für weitere Informationen lesen Sie gerne die Kurzzusammenfassungen in deutscher oder englischer Sprache sowie den detaillierten Endbericht der Studie.